Che Guevara

I
Che Guevara
 
Der Mythos des in Argentinien geborenen Revolutionärs und Guerillaführers Che Guevara, der 1967 in Bolivien erschossen wurde, lebt noch heute weiter. Eine ganze Generation wählte ihn zum Vorbild, in vielen Studentenzimmern hing das Poster mit dem berühmten Porträt. Der Arzt und Freiheitskämpfer, der mit Fidel Castro in Kuba die Revolution zum Sieg geführt hatte, scheiterte dann später in Bolivien, wo er versuchte, eine revolutionäre Bewegung und eine Guerillaorganisation aufzubauen.
 
 Sohn eines Plantagenbesitzers
 
Che Guevara wurde am 14. Juni 1928 als Ernesto Guevara Serna in Rosario in Argentinien als Sohn eines Plantagenbesitzers geboren. Mit zwei Jahren erkrankte er an Asthma und musste sich seitdem zeitlebens in seiner Lebensweise auf diese Krankheit einstellen. Che Guevara besuchte bis 1946 die Schule. Dem schloss sich ab November 1947 ein Medizinstudium an, das er immer wieder für lange Auslandsreisen unterbrach. So fuhr er 1949 mit dem Fahrrad durch den Norden Argentiniens. 1952 unternahm er eine Reise durch Chile, Peru, Amazonien, Kolumbien, Venezuela und nach Miami (Florida). Diese Reise dauerte von Januar bis Oktober 1952.
 
 Promotion zum Dr. med.
 
Im März 1953 promovierte Che Guevara zum Dr. med. und ging bereits im Juli desselben Jahres auf die nächste Reise. Sie führte ihn zunächst nach Bolivien, Peru, Ecuador und Costa Rica, wo er in San José erstmals mit Revolutionären aus Kuba zusammentraf. In Guatemala, wo er im Januar 1954 seine spätere Frau Hilda Gadea Acosta kennen lernte, unterstützte er die demokratische Regierung von J. Arbenz Guzmán, musste jedoch nach dessen Sturz im Sommer 1954 das Land verlassen. Er flüchtete nach Mexiko, wohin er im September 1954 als Tourist einreiste. In Mexiko erhielt er in Santa Rosa eine Ausbildung zum Guerillakämpfer. Zudem war er als Arzt in einem Krankenhaus tätig.
 
 Gefolgsmann der Brüder Castro
 
Im Sommer 1955 traf Che Guevara Raúl und Fidel Castro, denen er sich anschloss. Sie liefen zusammen mit etwa 80 Mitstreitern am 25. 11. 1956 mit dem Schiff »Granma« nach Kuba aus. Dort landeten sie an der Südküste, um den kubanischen Diktator F. Batista y Zaldívar zu stürzen. Das Unternehmen stand anfangs allerdings unter keinem guten Stern: Fast das gesamte Kommando wurde in Kämpfen mit den Regierungstruppen aufgerieben. In den Jahren 1957/58 blieb Che Guevara als Guerillakämpfer auf Kuba, und langsam wendete sich auch das Kriegsglück. Vom 29. bis 31. 12. 1958 kam es dann zum Entscheidungskampf: Die siegreichen Guerillas wurden von Guevara angeführt, der mittlerweile zum »Commandante« ernannt worden war.
 
 Siegreich mit der Revolution in Kuba
 
Vier Tage später, am 4. 1. 1959, zogen die Truppen der Aufständischen in die kubanische Hauptstadt Havanna ein. Am 9. 2. 1959 wurde Che Guevara vom Revolutionsführer Fidel Castro zum »geborenen« kubanischen Staatsbürger ernannt, womit er auch Staatsämter übernehmen konnte. So wurde er am 26. 11. 1959 Präsident der kubanischen Nationalbank. Das revolutionäre Kuba begann sich aus der Verbindung zu den USA zu lösen und wandte sich den sozialistischen Staaten zu. So unterschrieb Che Guevara am 27. 7. 1960 einen Handelsvertrag mit der Volksrepublik China. Ab 21. 10. 1960 besuchte Che Guevara die Tschechoslowakei, die Sowjetunion, China, Nordkorea, die Deutsche Demokratische Republik und Ungarn und schloss mit diesen Ländern Handels- und Kreditvereinbarungen ab. Am 23. 2. 1961 wurde Che Guevara zum Industrieminister ernannt. Er begann von nun an, die Industrialisierung Kubas voranzutreiben, das bisher von einer Zuckerrohr-Monokultur geprägt war. Ab diesem Jahr kam es zu einer riskanten Zuspitzung der Lage auf Kuba, die zu einer Konfrontation der Großmächte USA und Sowjetunion führte. Mitte April war in der Schweinebucht ein Invasionsversuch von Exilkubanern zum Sturz Fidel Castros, der vom amerikanischen Geheimdienst gedeckt worden war, fehlgeschlagen. Die Abwehrkräfte in Pinar del Río hatte Che Guevara selbst geführt. Im Herbst 1962 begann die Sowjetunion dann, auf Kuba Abschussrampen für Mittelstreckenraketen aufzustellen. Der neue amerikanische Präsident John F. Kennedy bewältigte diese erste große Krise seiner Amtszeit und zwang die Sowjetunion schließlich zum Abzug der Raketen.
 
 Ansätze einer neuen Politik und erste Spannungen
 
Che Guevara, auf den im März 1961 ein Attentat fehlgeschlagen war, hatte im Sommer 1962 auch mit der Sowjetunion über Hilfs- und Waffenlieferungen verhandelt. Guevara war in diesen Jahren unermüdlich in Sachen Kuba in der Welt unterwegs. So besuchte er unter anderem am 2. 11. 1961 eine kubanische Industrieausstellung in der Deutschen Demokratischen Republik. In Kuba selbst war er beteiligt an der Nationalisierung des gesamten US-amerikanischen Eigentums, an der Enteignung der Großgrundbesitzer, die verbunden war mit einem umfangreichen Siedlungs- und Bildungsprogramm für die ländlichen Regionen des Landes. Allerdings deuteten sich bald auch erste Spannungen an, was das Verhältnis Che Guevaras zu den Kubanern und auch zur Sowjetunion anging. Immer wieder kritisierte er scharf die fehlende Produktivität auf Kuba und wandte sich ebenso gegen die sowjetischen Berater, die versuchten, entscheidenden Einfluss auf die Verwaltung Kubas zu nehmen. Als er dann im Jahr 1964 gezwungen wurde, seine gerade begonnene Industrialisierungspolitik zurückzuschrauben und Kuba wieder hin zur Zuckerrohr-Monokultur zu führen, sah er augenscheinlich keinen Platz mehr für sich bei der Führung des Landes. Allerdings sprach er noch im November 1964 für Kuba vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen und ging von Dezember 1964 bis März 1965 auf eine ausgedehnte Reise, die ihn in acht afrikanische Staaten führte, wo er sich jedoch vergeblich um eine gemeinsame Front gegen den Imperialismus bemühte.
 
 Bruch mit Castro und Suche nach neuen Zielen
 
Als er am 14. 3. 1965 nach Kuba zurückkehrte, kam es zum Bruch mit der revolutionären Bewegung Kubas und ihrem Führer Fidel Castro. Che Guevara trat von allen Ämtern zurück, legte die kubanische Staatsbürgerschaft wieder ab und war dann lange Zeit verschwunden. Vermutlich begab er sich von April bis Juni 1965 in ärztliche Behandlung, da er unter psychischer und physischer Erschöpfung litt. Die Angaben zu dieser Zeit sind nicht gesichert und widersprechen sich teilweise. Im Juli 1965 - nach anderen Quellen bereits im April 1965 - begab sich Che Guevara dann nach Afrika. Dort bildete er im Kongo afrikanische Guerillas aus. Am 3. 10. 1965 verlas dann Fidel Castro den Brief Guevaras aus dem Frühjahr, in dem er auf seine Ämter verzichtete und ankündigte, sich »einem neuen Gebiet im Kampf gegen den Imperialismus« zuzuwenden. Im März 1966 beendete Che Guevara seinen Afrikaaufenthalt und hielt sich danach wahrscheinlich von April bis Juni im Südwesten Brasiliens und in den angrenzenden Regionen Paraguays, Argentiniens und Boliviens auf. Danach bereitete er die Unterstützung eines Aufstands in Bolivien vor, in Fehleinschätzung der Lage, dass die dort lebenden armen Bauern bereit und in der Lage wären, ihre Unterdrückung und Armut durch einen revolutionären Akt der Selbstbefreiung abzuschütteln.
 
 Als Guerillakämpfer in Bolivien
 
Im Oktober 1966 reiste er über Prag, Frankfurt am Main und São Paulo nach Bolivien, wo er am 3. 11. eintraf. Am 7. 11. begann er ein Tagebuch zu führen. Über Monate irrte er mit einer unzureichend ausgerüsteten und schlecht versorgten Gruppe von etwa 50 Männern durch das Land. Am 31. 12. traf er mit dem bolivianischen Kommunistenführer Monje zusammen. Das Treffen brachte aber nicht das erhoffte Ergebnis eines gemeinsamen Handelns. Schließlich wurde die isolierte kleine Truppe von bis zu 20 000 Regierungssoldaten gejagt. Der bolivianische Staatspräsident setzte eine Kopfprämie auf Che Guevara aus (6 000 US-Dollar), ab Mai 1967 brach schließlich der Kontakt zu den Männern um Che Guevara ab. Am 14. 8. 1967 fanden Soldaten der Regierung in einer Höhle Unterlagen und Dokumente der Guerillas. Die letzte Tagebucheintragung Che Guevaras datiert vom 7. 10. 1967. Wahrscheinlich am folgenden Tag wurde er verwundet, gefangen genommen und schließlich exekutiert. Am 9. 10. wurde sein Leichnam der Presse gezeigt. Dann ließ die bolivianische Regierung vermelden, die Leiche sei eingeäschert und an einem unbekannten Ort beigesetzt worden.
 
 Staatsbegräbnis nach 30 Jahren
 
Doch diese Meldung entsprach ebenso wenig der Wahrheit wie die Verlautbarung, Che Guevara sei im Kampf gefallen. All dies stellte sich erst Jahrzehnte später heraus. Denn am 2. 7. 1997 exhumierten Wissenschaftler unter der Landebahn des Flughafens der bolivianischen Kleinstadt Vallegrande ein Skelett, das sie kurz darauf als das von Che Guevara identifizierten. Die sterblichen Überreste des Revolutionärs wurden im Oktober 1997 nach Kuba überführt, wo er ein Staatsbegräbnis bekam. Er wurde zusammen mit sechs weiteren Mitkämpfern in einem Mausoleum beigesetzt, im Beisein seiner Witwe und vier seiner Kinder. Weltweit wurden Gedenkfeiern abgehalten, an der Humboldt-Universität zu Berlin fand am 27./28. 9. 1997 eine Internationale Che-Guevara-Konferenz statt.
 
 Ikone der Revolution
 
Für die rational kaum nachvollziehbare weltweite Rezeption seines Mythos fand der Biograf Jorge G. Castañeda die Erklärung, dass Che Guevara wohl hauptsächlich »dank der Generation, die er inspirierte, als einmalige und denkwürdige Gestalt überlebt. Seine Bedeutung ist keine Folge seiner Taten oder Ideen, sondern seiner fast vollkommenen Verschmelzung mit einer historischen Epoche.« Zu seiner Mystifizierung als »Ikone« eines revolutionären Geistes auch in deutschen Teenagerzimmern in den 1970er-Jahren gelangte er vor allem durch das berühmte rot-schwarze Porträtplakat, das auf einem Foto von Alberto Korda basiert.
II
Che Guevara
 
[tʃegɛ'βara], kubanischer Guerrillaführer, Guevara Serna, Ernesto.

Universal-Lexikon. 2012.

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